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May 09, 2003

Google und Weblogs: Pros und Contras

Da ich den Beitrag über Google und Weblogs heute morgen nur so hingeknallt und vielleicht auch etwas zu flapsig kommentiert habe, wie Sannie ganz zur Recht feststellt, möchte ich hier noch einmal ins Detail gehen, wie sich das mir so darstellt:
Als Google Blogger.com gekauft hat, waren zumindest die Weblogs, aber auch einige Online-Magazine voll des Lobes. Unter anderem wurde die Ansicht vertreten, dass Google hierdurch signalisiert, dass man Blogs für sehr wichtig hält, wenn es darum geht Seiten für die Suchmaschine zu indizieren. Es war auch die Rede davon, dass man sich so quasi ca. 1 Million Editoren gekauft hätte, welche ja mehr oder minder aktuelle oder wichtige bzw interessante Links in ihre Weblogs posten, und dass Google dies durchaus nutzen könnte, um die eingesetzte PageRank-Technologie zu verbessern.

In dem aktuellen Artikel Google to fix blog noise problem bei The Register findet sich jetzt eben eine Gegenposition dessen, welche anscheinend aus einer Slashdot-Diskussion hervorging: Das erscheinen von Weblogs in den Suchergebnissen wird hier als Blog Noise bezeichnet, und eben diese Tatsache als ungefähr so lästig, wie das Erscheinen von Pornoseiten zu beliebigen Suchwörtern angesehen (I can get a Google search with porn turned off; why can't I get blogs turned off too?). Die Inhalte von Weblogs werden als sinnleeres Gelaber angesehen, welches sich tarnen würde um gute Google Positionen zu erreichen: The main problem with blogs is that, as far as Google is concerned, they masquerade as useful information when all they contain is idle chatter.
Weiterhin stellt man anhand einer Untersuchung fest, dass die Leserschaft von Weblogs in ihrer Zahl vollkommen unbedeutend sei: Recent research by Pew put the number of blog readers as opposed to writers, as "statistically insignificant".
Wie das Weblog life as it happens ganz richtig feststellt, wurde die Statistik und das betreffende Zitat allerdings nicht ganz unerheblich umgedeutet, denn im Original (welches sich ausserdem auf die Nutzung des Internets im Bezug auf Informationen über den Irak-Krieg bezieht, und somit ein völlig anderes Thema hat) heisst es statt dessen lediglich, dass 4% der befragten US-Bürger (N=1600) Weblogs besucht haben, um sich über den Irak-Krieg zu informieren, weiterhin: The overall number of blog users is so small that it is not possible to draw statistically meaningful conclusions about who uses blogs. Das liest sich in der Tat schon ein wenig anders.
Im Bezug auf PageRanks heisst es in der Gegenposition, dass sie gar nicht dafür vorgesehen sei, durch einige (relativ) wenige Weblogger beinflusst zu werden: "They didn't foresee a tightly-bound body of wirers," reckons Stock. "They presumed that technicians at USC would link to the best papers from MIT, to the best local sites from a land trust or a river study - rather than a clique, a small group of people writing about each other constantly. They obviously bump the rankings system in a way for which it wasn't prepared." Die gegenseitige Bezugnahme von Webloggern wird hier als Cliquengehabe verstanden, und Trackback zu Trackback noise degradiert; den Weblogs ein niedriger Informationsgehalt zugewiesen: Ironically, the low information quality of blog-infested Google results is a consequence of bloggers' attempts to introduce community aspects to what remains a solitary activity. The auto-citation feature 'Trackback' is frequently fingered as the culprit: many search results Google returns are trackbacks.
Der Kauf von Blogger.com durch Google wird hier als ein wichtiger Schritt angesehen, Weblogs aus der normalen Google-Suche auszuschliessen, um die Suchergebnisse quasi zu bereinigen. Statt dessen sollte für Weblogs eine eigene Suchfunktion angeboten werden. Soweit zumindest die geäusserte Vermutung über Google's Absichten. Dumm nur, dass es Weblog-spezifische Suchmaschinen schon zu hauf gibt.
Weiterhin stellt sich die Frage, wie Google das leiste will; alle Weblogs aus seinem Suchindex zu entfernen. Durch den Kauf von Blogg.com haben sie zwar schon hunderttausende Weblogs welche sie, wenn sie wollen, recht einfach rausfiltern können, aber wie soll das denn im Bezug auf selbst gehostete Weblog-System wie Movable Type oder Nucleus, oder auch etwas selbstgestricktes, laufen? Google wäre dann in der Situation, technisch definieren zu müssen, was ein Weblog überhaupt genau ausmacht. Und das könnte schwierig bis unmöglich werden, wenn man sich die immer mal wieder auftauchende Diskussion, was ein Weblog überhaupt sei, mal genauer ansieht.

So weit also beide Positionen. Wenden wir uns nun also kurz dem Effekt zu, welchen Weblogs bei Google derzeit faktisch haben, so wie ich ihn verstehe: Richtig ist, dass dadurch, dass sich viele Weblogger gegenseitig verlinken, den betreffenden Weblog-Sites ziemlich schnell ein hoher PageRank zugewiesen wird. Ebenso richtig ist, dass die Google-Bots Seiten welche sich häufig ändern auch öfters besucht und indizieren, das macht Sinn. Durch häufige Indizierung und hohe PageRanks können Weblogs also durchaus recht hohe Positionen in vielen Google-Suchergebnissen erzielen. Welchen Effekt hat dies?
Man könnte quasi sagen, dass also einige wenige Weblogger (wobei über eine Millionen ja auch nicht gerade wenig ist) auf diesem Globus einen gewichtigen Einfluss auf einige Suchergebnisse bei Google haben könnten. Ich sehe allerdings nicht, was der Nachteil daran ist, wenn einige Links quasi durch ihre Auflistung in den Blogs der Leute, die hierbei faktisch als menschliche Web-Redakteure (oder besser: Editoren?) fungieren, eine höhere Gewichtung bekommen. Die Position, dass Weblogs meist sinnleeres Getexte beinhalten, relativiert sich meiner Ansicht nach ziemlich schnell, wenn man sich mal überlegt was man sonst so an Sites im Web findet: Das allermeiste sind kommerzielle Websites irgendwelcher Firmen, die entweder an den Pageviews durch Werbung irgendetwas verdienen, oder aber zum gesuchten Begriff irgendetwas verkaufen möchten. Dann gibt es noch nicht-kommerzielle Institutionen, welche deutlich mehr Informationen anbieten, aber leider viel zu oft dem Hindernis unterworfen sind, dass sie als grosse Instituionen ihre Inhalte meist nur langsam updaten bzw instandhalten können, da sie aufgrund ihrer Grösse, ihrer personellen Fluktuation und ihrer internen Strukturen kaum handlungsfähig sind.
Wer einmal an Webseiten im Auftrag beispielsweise einer Universität gearbeitet hat, weiss genau, wovon ich rede. ;-)
Dann kommen private und/oder unkommerzielle Websites, also persönliche Homepages, Communities, usw. Hier gibt ein riesiges Spektrum, welches aus relativ wenigen guten Sites, und sehr, sehr viel Müll besteht. Wobei ich persönliche Informationen nicht als Müll bezeichnen würde, nur dass diese für die meisten Web-Suchen eben einen relativ geringen Informationswert haben (auch wenn ich den Begriff Informationswert persönlich recht fragwürdig finde). Schlimmstenfalls könnte man also sagen, dass Verhältnis von subjektiv als Müll empfundenen Sites zu als wertvoll empfundenen Sites bei Weblogs nicht anders sein könnte, als bei anderen Typen von Websites auch.

Aber zurück zu den Weblogs: Sicher kann dabei auch so etwas wie der oben erwähnte, sogenannte Blog Noise auftreten: Beispielsweise habe ich gestern gesehen, dass ich zu "englischen Mathewoerterbuch" auf Platz 8 bei msn gelistet wurde. Total ueberfluessig, denn auf Platz 1 war die Seite, auf die ich verwies, schreibt Dirksky zum Thema Bloggen und Desinformation. Das wäre dann so ein klassischer Fall. Nun weiss ich nicht, wie MSN das so handhabt, aber falls sie auch so etwas ähnliches wie PageRanks einsetzen, könnte es ja durchaus sein, dass die Seite auf Platz 1 dort eben nur deshalb an der richtigen Stelle stand, weil sie eben von weiteren Sites aus verlinkt wurde, die dann eben weiter unten in den Suchergebnissen auftauchen. Diese weiter unten stehenden Ergebnisse haben erst dann in der Tat nicht mehr einen direkten Wert. Andererseits findet ja dann auch jeder, der die Suchergebnisse von oben nach unten liest, das wichtigste zuerst. Weiter unten folgende Sites könnten ja noch durchaus wichtige Hinweise oder Kommentare zur eigentlich gesuchten Seite enthalten. Und, um auf das von Slashdot erwähnte Szenario zurückzukommen: Mir ist kein Suchwort bekannt, welches zunächst 40 Suchergebnisse auswirft welche ausschliesslich Weblogs und ihr idle chatter beinhalten, um dann auf Suchergebnis 41 die relevante Seite schlechthin auszuwerfen. Ausserdem rutschen ja auch nach und nach diejenigen Suchergebnisse zu einem bestimmten Begriff weiter nach oben, welche auch tatsächlich vom Suchenden geklickt werden. Aber ich lasse mich da auch gerne eines besseren belehren.

Letztendlich sorgt das Auftreten von Weblogs im Google Index doch lediglich dafür, dass das Web ein ganz klitzekleines bisschen Informationsdemokratischer wird, indem sie ihren Platz zwischen den Corporate Websites, welche sonst meist die hohen Rankings bekommen, einnehmen. Noch(?) surfen 90% der User auf den immer gleichen 5% verfügbarer, grosser Websites herum, könnte man schätzen.
Wer jetzt also nach einem Begriff googlet, findet also nicht nur Seiten irgendwelcher Firmen oder grossen Institutionen, Communities, und einige wenige persönliche Websites, sondern eben auch genuine, mal mehr mal weniger elaborierte Meinung meist privater Blogger, welche etwas dazu zu sagen haben.
Kann denn das so schlimm sein?
3:47 PM

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